Internationales
Management - Geschichten
für Manager
Das Rad, die leere Mitte
Der Kaiser von China hatte zu einem Festbankett geladen. Unter den Gästen war auch ein Klostervorsteher, dem es erlaubt worden war, einige seiner jungen Mönche mitzubringen. Er erklärte ihnen, wer die hohen Würdenträger waren, die an der Kopfseite der Tafel Platz nahmen:
"Der in dem knallgelben Gewand, das ist der Landwirtschaftsminister. Er hat nach und nach die Vorratshaltung im ganzen Reich verbessern lassen, sodaß unser Volk zwei Mißernten nacheinander verkraften könnte, ohne Hunger zu leiden.
Der ganz in Rot Gekleidete ist der Kriegsminister. Er hat die Armee im Lauf der Jahre so gut organisiert, daß es kein anderer Staat mehr gewagt hat, unser Land anzugreifen."
Nachdem der Klostervorsteher nacheinander alle wichtigen Persönlichkeiten vorgestellt hatte, fragte einer der Novizen:
"Und wer ist der kleine, graue Unscheinbare dort in der Mitte?"
"Das ist der Kaiser."
"Wie kann es sein, daß der Kaiser so unauffällig ist, während seine Minister einen imposanten Eindruck machen?"
Der Klostervorsteher antwortete:
"Der Kaiser hat die staatlichen Aufgaben den Leuten anvertraut, die dafür das größte Talent haben. So kam jeder von ihnen zur Entfaltung, während er selbst unscheinbar bleiben konnte. Genau das ist die Aufgabe des Kaisers. Er ist wie die Nabe eines Rades. Das Rad dreht sich gleichmäßig um sie herum, wenn alle Speichen an ihrem richtigen Platz sind. Die Nabe selbst aber ist ein Loch. Das Rad dreht sich um seine leere Mitte."